Wenn die Veröffentlichung zum Echo ohne Raum wird.
Wenn ein Text wie der von mir auf einer Plattform wie publikum.net erscheint, erleben wir das Paradoxon unserer Zeit in Echtzeit. Der Text ist da. Er ist öffentlich zugänglich, er hat eine Adresse, er ist sauber gesetzt und eventuell intellektuell brillant. Und doch: Ohne die „Starthilfe“ der Algorithmen ist er wie ein Plakat, das in einer verlassenen Seitenstraße aufgehängt wurde, während die Hauptstraße (unsere Feeds) von grellen Leuchtreklamen dominiert wird.
Die algorithmische Ausgrenzung ist leise. Sie fühlt sich nicht wie Zensur an, denn es gibt kein Verbot. Es gibt nur das Ausbleiben von Resonanz. Während früher ein relevanter Text in einer Zeitung durch die bloße Platzierung auf der Seite Eins eine garantierte Grundaufmerksamkeit erhielt, muss er heute erst eine digitale „Eintrittsprüfung“ bestehen:
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Erzeugt er sofortige Interaktion?
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Bedient er die Affekte derer, die ihn zuerst sehen?
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Ist er „maschinenlesbar“ genug für die Gatekeeper aus dem Silicon Valley?
Der Artikel auf publikum.net benennt es treffend als den Übergang von der Demokratie zur Plattformokratie. Wir haben die Macht, Themen zu setzen, an Instanzen abgegeben, die keine Verantwortung für den gesellschaftlichen Diskurs tragen, sondern nur für ihre eigene Verweildauer-Statistik.
Die Tragik der unsichtbaren Leere Wenn wir heute etwas veröffentlichen, das Tiefe fordert, das Nuancen braucht und das sich der schnellen Skandalisierung entzieht, dann veröffentlichen wir oft in eine Leere hinein, die systemisch gewollt ist. Es ist eine „formalisierte Öffentlichkeit“, in der das Schweigen der Maschinen lauter ist als das Argument des Menschen.
Das bittere Fazit: Ein Ereignis – oder ein kluger Gedanke – findet heute erst dann statt, wenn die Software ihn für prozesswürdig hält. Alles andere bleibt eine „Veröffentlichung in die unsichtbare Leere“. Wir sehen den Text, aber das System sieht uns nicht dabei zu.
