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Unantastbar

Nehmen wir mal an ich würde dem Bundespräsidenten einen Brief schreiben und ihn zu einem Termin einbestellen zum Datum X.Y. Uhrzeit sowieso und ihm sagen, das ich ihn an diesem Tage treffen wolle. Natürlich geht das nicht und schon gar nicht mit dem Ultimatum, den es wäre der Würde seines Amtes nicht angemessen, würde man sagen. Ämter haben keine Würde sondern Menschen.

Was bedeutet das Wort unantastbar? Wo sind die Grenzen der Antastbarkeit und wann ist Würde gegeben und wann nicht? Ok schreibe ich nicht dem Bundespräsidenten sondern der Bundeskanzlerin und sage Ihr Sie solle bei mir erscheinen. Keine Terminabsprache und kein Anruf einfach ein Schreiben mit erscheine um X.Y. um Uhrzeit. Ja um himmelswillen, welch würdeloser Umgang.

Nun gut, wir wollen mal nicht so sein, bevor wir irgendjemanden antasten, tasten wir uns an den Bundestagsabgeordneten heran. Machen wir auch das gleiche im Gedankenspiel. Wo beginnt die Antastbarkeit und was verstehen wir unter unantastbar?

Ach egal, ich will mal nicht so hoch greifen, ich schreibe einen Brief an meinen Vorgesetzten meiner alten Firma und bestelle Ihn zur Zeugniserstellung ein. Ja mein letzter Arbeitgeber hat kein Arbeitszeugnis bis heute erstellt und ich hätte einen Grund. Keine Terminvereinbarung keine Absprachen einfach so ein Schreiben mit Ultimatum und Uhrzeit. Wäre er antastbar? Auch das betrachten wir letztlich nicht als normales Verhalten. Man tastet das nicht an.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist ein schöner Satz ohne Bedeutung, denn wir tasten die Würde an. Es ist eine Frage auf welcher Stufe der gesellschaftlichen Hackordnung man steht. Es gibt bei ALG-II-Empfängern keine Absprachen oder auch nur Anfragen, es gibt nur Einbestellungen mit Rechtsbelehrungen. Was also bedeutet das Wort unantastbar?

http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/bvg16-031.html lehnt die Klärung verfassungswidrigen Verhaltens ab, weil das einreichende Gericht nicht die formaljuristischen Gründe erfüllt hat. Konkret hat es nicht dargelegt inwieweit es für den Fall relevant ist, da ja vorher schon rechtswidrig gehandelt wurde. Das Wort unantastbar wird also geschützt davor, das es zur Sprache kommt. Es könnte sich ja herausstellen, dass wir die Würde des Menschen tagtäglich antasten, aber nicht beim Bundespräsidenten, nicht beim Bundestagsabgeordneten, nicht bei den Reichen und nicht bei den Chefs dieser Welt. Ein Mensch ist aber ein Mensch, egal ob er Bundespräsident oder Bettler ist. Die Würde des Menschen ist dem Wunsch der Verfassungsväter und Mutter unantastbar. Aber das Wort ist bedeutungslos – es kommt aus formaljuristischen Erwägungen nicht zur Sprache.

 

 

 

2 Kommentare

    • arnoldschiller arnoldschiller

      Wolltest Du jetzt für den Duden Werbung machen? Selbst wenn wir uns auf „sich [im Rahmen des Zulässigen] nicht antasten lassend“ oder auch „nicht angetastet werden dürfend“ beantwortet die Dudendefinition nicht mit einem Wort, was es bedeutet, wenn die Würde des Menschen also die Menschwürde unantastbar ist. Ganz klar verletzt es die Würde des Menschen, wenn die Asche des Menschen auf Aschenbahnen gestreut wird, was im 3. Reich geschehen sein soll. Die Würde des Menschen reicht über das Leben des Menschen hinaus. Aber wenn der Mensch noch lebt, dann hat er ja auch seine Würde. Das wir diese Würde ständig antasten ist unabweisbar. Insofern stellt sich schon die Frage, was der Satz im Grundgesetz noch sagt oder bedeutet. Der Duden wird uns da nicht weiterhelfen.

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